Mail senden
Interview - fpA

Die fachpraktische Ausbildung - DAS Alleinstellungsmerkmal der FOS


Die fachpraktische Ausbildung (fpA) ist eine besondere Spezialität an Fachoberschulen. Diese wird in der 11. Klasse absolviert und hat den Stellenwert eines Hauptfaches. Die Besonderheiten des Praktikums und seinen Nutzen thematisiert das folgende Interview mit den fpA-Betreuern Angelika Baumann (für die Ausbildungsrichtungen Gestaltung und Sozialwesen), Helmut Schrüfer (für die Ausbildungsrichtung Wirtschaft und Verwaltung) und Petra Wessling (für die Ausbildungsrichtung Technik).

1.     Die Pandemie stellt die Schulen vor große Herausforderungen. Können die Schülerinnen   und Schüler trotzdem das Praktikum im vollen Umfang absolvieren?


Angelika Baumann:


Alle Schülerinnen und Schüler haben problemlos eine Praktikumsstelle gefunden und konnten auch zeitweise per Homeoffice in den Betrieben mitarbeiten, wenn sie sich in Quarantäne befanden. Zudem hat sich die Schule bemüht bei coronabedingten Ausfällen in den Betrieben Alternativen zu suchen, um das Praktikum gewinnbringend durchführen zu können.


Petra Wessling:


So konnte z.B. bei der coronabedingten Schließung von Betrieben, von der Schülerinnen und Schüler der Ausbildungsrichtung Gestaltung betroffen waren, das Praktikum in der schuleigenen Metallwerkstatt weitergeführt werden.


Helmut Schrüfer:


Die Pandemie hat kurzfristig ja große Veränderungen in Bezug auf die Digitalisierung der Arbeitswelt mit sich gebracht. Die Schülerinnen und Schüler der FOS haben so in gewisser Weise sogar den Vorteil, diese Veränderungen im Rahmen des Praktikums kennenzulernen. Zudem war auch in dieser Situation eine engmaschige Betreuung der Praktikantinnen und Praktikanten durch Teams-Besprechungen möglich.

2.       Konnten die Schülerinnen und Schüler auch wie vor der Pandemie ihre Praktikumsstelle selbst wählen?


Angelika Baumann:


Ja, an der FOS Lindau ist dies im Gegensatz zu vielen anderen Fachoberschulen nach wie vor möglich! Hier haben die Schülerinnen und Schüler eine sehr große Freiheit, sofern der Betrieb bzw. die Praktikumsstelle bestimmte Voraussetzungen für die jeweilige Ausbildungsrichtung erfüllt. Falls jemand Schwierigkeiten hat, eine geeignete Stelle zu finden, kann die Schule aber auch bei der Suche helfen. Wir haben mit vielen Praktikumsbetrieben eine langjährige Zusammenarbeit.


Petra Wessling:


Die fachpraktische Ausbildung im Technik-Zweig findet immer in den gut ausgestatteten Werkstätten der Schule statt. Eine Suche nach Praktikumsstellen entfällt daher.

3.       Wie läuft das Praktikum in den einzelnen Ausbildungsrichtungen konkret ab?

Helmut Schrüfer:


In allen Ausbildungsrichtungen haben die Schülerinnen und Schüler zwei Wochen Praktikum und zwei Wochen Schule im Wechsel. In den Zweigen Wirtschaft und Verwaltung bzw. Sozialwesen absolvieren die Schülerinnen und Schüler das Praktikum an zwei unterschiedlichen Praktikumsstellen.

Angelika Baumann:


Die Schülerinnen und Schüler des Ausbildungsbereichs Gestaltung durchlaufen ihr Praktikum ein halbes Jahr in der Schule, beispielsweise im Bereich Foto und Medien und ein halbes Jahr in einem Betrieb. Wichtig ist dabei, dass sie regelmäßig von Betreuungslehrern besucht werden und ein enger Austausch zwischen Praktikumsstelle, Schule und Schülerinnen bzw. Schülern stattfindet. Auch während der Schulzeit gibt es besondere Unterrichtsstunden, in denen die Erfahrungen aus dem Praktikum vertieft und reflektiert werden.

Petra Wessling:


Wir haben an der Schule Werkstätten für eine Grundausbildung in Metall- Elektro-, Bau, und Holztechnik. Die Schülerinnen und Schüler werden dort in kleinen Gruppen bis 12 Personen von erfahrenen Fachlehrern im Wechsel unterrichtet. Auch die Schülerinnen und Schüler aus dem Zweig Gestaltung nutzen zeitweise die Holz- und Metallwerkstatt

4.       Womit beschäftigen sich die Praktikantinnen und Praktikanten während der Ausbildung? In Werkstätten geht es ja um konkrete Handarbeit…

Petra Wessling:


Die Schülerinnen und Schüler sollen möglichst viele Techniken und Fertigkeiten in den Werkstätten erlernen. So entstehen als sichtbare und greifbare Objekte aus Holz oder Metall zum Beispiel Möbel, Kerzenständer, oder auch immer wieder Utensilien für die Schule oder Alltag wie Klebefilmabroller oder eine Theatertür.

Angelika Baumann:


Manche Ergebnisse sind auch im Stadtbild sichtbar, wie beispielsweise die von den Schülerinnen und Schülern gestalteten Rollatorboxen der GWG Lindau. Diese entstanden im Praktikum des Gestaltungszweiges.

5.       Inwiefern profitieren die Praktikumsstellen und Betriebe, wenn Sie Schülerinnen und Schüler der FOS Lindau als Praktikanten beschäftigen?

Angelika Baumann:


Grundsätzlich haben die Betriebe und Stellen so eine volle Arbeitskraft für den Zeitraum eines halben Jahres zur Verfügung. Das ist sicher ein Vorteil. Außerdem wurden schon häufig aus Praktikanten Auszubildende, das heißt, dass so Unternehmen durchaus die Chance haben, künftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über das Praktikum zu bekommen.


Helmut Schrüfer:


Wie gut das System der fachpraktischen Ausbildung generell funktioniert, kann man auch daran erkennen, dass die FOS Lindau mit vielen Praktikumsstellen schon jahrelang zusammenarbeitet.

6.       Worin liegen konkret die Vorteile der fachpraktischen Ausbildung für die Schülerinnen und Schüler?

Angelika Baumann:


Das Praktikum leistet einen großen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung. Es geht darum, dass die jungen Menschen lernen im Team zu arbeiten, sich in ein System oder eine Gruppe einzuordnen. Generell  geht es auch um die Stärkung ihrer Hilfsbereitschaft und Kommunikationsfähigkeit.


Petra Wessling:


Das Praktikum bietet auch Vorteile bei Bewerbungen, egal ob für eine Ausbildung oder ein Studium. So kann es durchaus sein, dass die fachpraktische Ausbildung auf Praxissemester angerechnet wird. An manchen Hochschulen und Universitäten hebt das Praktikum sogar die Note beim Numerus Clausus! Zuletzt ist nicht zu unterschätzen, dass die Schülerinnen und Schüler durch den Einblick in die Arbeitswelt sich auch besser beruflich orientieren können.

 

Angelika Baumann:

So kann es vorkommen, dass man während der fachpraktischen Ausbildung seinen Traumberuf kennenlernt – oder erkennt, was man eher nicht machen möchte. Auch dies ist eine wichtige Erfahrung!

 

7.       Was sind nun die ersten Schritte als neuer FOS-Schüler?


Helmut Schrüfer:


Zunächst meldet man sich an der Schule an, entweder digital über die Homepage oder bis 18. März in der Schule. Bei der Anmeldung erhält man bereits Informationen zur fachpraktischen Ausbildung. Diejenigen Schülerinnen und Schüler, die sich für den Zweig Gestaltung anmelden, müssen am 23. März eine Aufnahmeprüfung absolvieren.


Angelika Baumann:


Für das Praktikum gibt es ein digitales Vorbereitungstreffen, bei welchem die Betreuungslehrkraft über Details informiert, Vorschläge geeigneter Praktikumsstellen zeigt und Tipps für die Bewerbung gibt.


Petra Wessling:


Die Schülerinnen und Schüler im Ausbildungsbereich Technik erhalten zu Beginn des Schuljahres eine Einweisung in die Werkstätten – und dann kann es losgehen!

 

Das Interview führte Matthias Schwarzländer.