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Fundamentalismus

Religiöser Fundamentalismus  – Missbrauch von Religion für politische Zwecke

Warum der Islam zu Deutschland gehört, wofür der Begriff Fundamentalismus steht und warum der Islam eben keine Gefahr darstellt – mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigten sich die Schüler der Lindauer Fachoberschule, der Berufsschule Lindau und des Valentin-Heider-Gymnasiums im Rahmen eines Vortrags zum Thema Fundamentalismus von Jörg Fischer.
Der Referent ist nicht nur zweiter Bürgermeister von Donauwörth, sondern als Islamwissenschaftler auch ausgewiesener Experte im Bereich islamistischer Strömungen. „Islamisten nutzen den Islam für politische Ziele”, betont Fischer, was aber noch lange nicht bedeutet, dass diese Ziele auf gewaltsame Weise verfolgt werden. Der Referent erläutert dabei wichtige historische Schlüsselereignisse wie das Sykes-Picot-Abkommen 1916 und den Friedensvertrag von Sèvres 1921, die die Grenzziehungen und damit auch die Konfliktlinien im Nahen Osten bis heute nachhaltig beeinflussen. Kritisch hinterfragt er dabei auch die Rolle des Westens sowohl aus historischer als auch aus sozial- und weltpolitischer Sicht bis in die Gegenwart. Nicht fehlen durften dabei die Anwerbestrategien der salafistischen Szene in Deutschland, die vor allem junge Männer, aber auch Frauen für ihre in sich sehr geschlossene Gruppierung, die absoluten Gehorsam einfordert, anzieht. „Das Wichtigste sei, dass man zuhört und glaubt, auf der Seite der Sieger zu stehen”, meint Fischer. Die Gründe, warum vornehmlich junge Menschen Salafisten oder anderen Formen von Extremismus wie z.B. Rechtsradikalismus verfielen, seien im Wesentlichen immer die gleichen, im Zentrum stünden dabei Suche nach Orientierung und Anerkennung.
Abschließend betont der Referent, dass „nicht jeder, der seine Religion intensiv lebt, als radikal zu bezeichnen ist. Es ist wichtig, im Dialog zu bleiben.” In der anschließenden Diskussion und an der Reaktion der Schülerinnen und Schüler konnte man erkennen, dass der Referent seine Ziele, den Dialog zu fördern, Zusammenhänge aufzuzeigen und zu differenzieren bei Lindauer Jugendlichen erreicht hat.


Bild und Text: Matthias Schwarzländer